Visionssuche

„Du musst sterben lernen, um leben zu können.“ frei nach Scott Eberle.

4-5 Tage in der Natur. Alleine. Fastend. Deine Ausrüstung ist minimal und gerade so viel, dass du da draußen auch bei unwirtlichem Wetter sein kannst. D.h. Regenplane, Isomatte, Schlafsack, gute Kleidung.

Fastend und alleine erlebst du die Verbindung zu den Naturwesen klar und stark. Deine Wahrnehmung verändert sich, du hast nichts mehr zu tun. Wenn du nichts mehr zu essen hast, beginnst du dein Leben zu kauen.
Was will bestärkt werden oder neu in dir entstehen?

Visionssuche ist ein Initiations-, und Übergangsritual, das in allen Kulturen seit Menschengedenken auf der ganzen Welt gelebt wird. Indigene Völker haben es bis in die heutige Zeit erhalten. Die gegenwärtige Form ist eine Anknüpfung an die Übergangsrituale unserer Vorfahren, welche in der Tradition der “School of lost boarders” in der Shambhala Wilderness Schule gelehrt wird. So durfte ich dieses kraftvolle Übergangsritual erfahren und kennenlernen.

Es geht um den Abschluss oder den Anfang eines Lebenszyklus, und immer sind die existentiellen Fragen relevant: Wer bin ich, woher komme ich, was ist der Sinn, wohin gehe ich?

Und: Du gehst nie für dich alleine hinaus. Du bist immer verbunden und eingebettet in das große Ganze. Du gehst für die Gemeinschaft, für deine Familie, für die Welt, für das Universum. Die Visionssuche ist eine Reise, die du für dich und deine Gemeinschaft, der du angehörst, machst, denn deine Weiterentwicklung, dein Werdegang ist ein essentieller Beitrag für das Ganze.

Themen können sein:  Übergänge zw. Lebenszyklen z. B. vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen, Mutterschaft/Vaterschaft annehmen, aus der Partnerschaft zum Single oder umgekehrt, seinen eigenen Wert und seine Macht verantwortungsvoll erkennen, einengende Glaubenswelten verabschieden, neue bestärkende einladen, …

Die Visionssuche besteht aus mehreren Phasen und dauert ca. 12 Tage vor Ort. Die Vorbereitungszeit findet in der Gemeinschaft der Teilnehmer:innen statt. In dieser Zeit klärt und spezifiziert sich dein persönliches Anliegen, mit dem du rausgehst. Du wirst Teachings über Rituale, das Rad der 4 Schilde und Sicherheit erhalten.

Die 4-5 Tage Schwellenzeit verbringst du alleine in der Natur fastend, leerwerdend, dein Leben kauend, dich neu gebärend. Du öffnest dich neuen Erkenntnissen über dich und deinen Werdegang.

Danach folgt die Wiedereingliederung, das Zurückkommen in die Gemeinschaft. Du sitzt mit den anderen im Kreis, um den Erfahrungen und Geschichten aller Initianden zu lauschen und deine eigene Geschichte zu erzählen. Die Visionsuche-Begleiter, die Ältestesten,  geben den erzählten Geschichten der Quester einen Spiegel, der sie in ihrem Erlebten bestätigt, bestärkt. Es ist ein Spiegel auf allen Ebenen, der körperlichen, emotionalen, spirituellen, geistigen und symbolischen Ebene. Diese Zeit in der Gemeinschaft dient auch der Vorbereitung auf die Zeit zu Hause. Du trägst etwas „Neugeborenes“ in dir, das beschützt und behütet werden darf, damit es im Alltag nicht verloren geht.

Meine eigenen Visionssuchen haben mein Leben in Richtung gebracht, mich in meiner Entwicklung, meine Selbstbildung unterstützt und herausgefordert. Ich verbeuge mich vor diesem Ritual in tiefster Demut und Wertschätzung.

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Was bedeutet Spiritualität für mich?