Eine Landkarte fürs Leben: das Rad der 4 Schilde
Das Leben verläuft in Zyklen. Die Natur erzählt die Geschichte der Lebens-Kreisläufe, die keinen Anfang und kein Ende kennen. Das Wahrnehmen der Unendlichkeit ist eine andere Sichtweise das Leben zu verstehen, anders als das lineare Denken.
In alten Zeiten, als die Menschen mit und in der Natur lebten und sich als Teil ihrer wahrnahmen, erkannten sie ihr Leben selbst in den Naturphänomenen.
So entstanden die Medizinräder. Systeme, die der Natur eine Möglichkeit gaben ihre Weisheit auszudrücken und somit auch diese Weisheit der menschlichen Natur mitzuteilen. Diese „natürlichen Lebenslandkarten“ sind in ihrer Vielfältigkeit durch die indigenen Völker bis in unsere Zeit erhalten, und spiegeln ihre spezifische Lebens-Umgebung wider.
Die Weisheit des „Rades der 4 Schilde“ wurde von Hyemeyohosts Storm, der in der Tradition der Cheyenne Indianer aufwuchs, an Merridith Little und Steven Foster weitergegeben. In der jahrelangen Begleitung von Menschen haben sie in diese uralte Weisheit das Wissen der westlichen Psychologie eingewoben. So wird es in der “School of lost Borders” gelehrt und durch Franz Redl und Claudia Pichl (Shambhala Wilderness Schule) habe ich die Kraft der 4 Schilde erfahren und kennengelernt. Diese erdbasierte Weisheit kann als psychologische Landkarte gesehen werden, die uns an unser ureigenes Wissen über das tagtägliche Leben und Sterben erinnert.
Das Rad der 4 Schilde wird als Kreis dargestellt, der die 4 Quadranten der Himmelsrichtungen enthält. Die Jahreszeiten, Lebensphasen sind den Himmelsrichtungen zugeordnet und dies kann auf alle Aspekte des Lebens ausgedehnt werden.
Der Quadrant im Osten steht für den Frühling, den Neubeginn. Hier finden das Sterben und die Geburt ihren Platz, das Unfassbare, das Große Ganze, der Spirit, die Kraft der Transformation und des Feuers. Das Sich-Hingeben an eine größere Kraft, mit der wir alle verbunden sind.
Der Süden steht für die Kindheit, den Sommer, der uns alles in seiner Fülle schenkt und pure, unbändige Lebenskraft. Die Körperlichkeit, die Sexualität, das „Ich will“ und „ich bin“, die Entwicklung des Egos, die Power der Emotionen.
Die Lebensreise geht weiter in den Westen, wo die Pubertät, die Jugendzeit zu Hause ist. Das Hinterfragen und Alles-in-Frage-stellen. Diese Himmelsrichtung steht für die Innenschau. So wie im Herbst sich die Pflanzenwelt zurückzieht, ist es für den Menschen in dieser Phase ein Hinabsteigen in die Schattenwelt. Er bezweifelt was ihm gelehrt wurde. Hier ist die Selbstliebe zu Hause. Sie ist die Weiterentwicklung des Egos auf eine neue Ebene, das „Du“ wird sichtbar und wichtig.
Im Übergang zum Norden erhebt sich der Mensch aus seiner Innenschau, in dem er die Schatten und Zweifel annimmt und entscheidet, um ins Handeln und Tun zu kommen. Im Norden übernimmt er als Erwachsener Verantwortung, hat die Fähigkeit für sich selbst zu sorgen erlernt, um nun der Gemeinschaft zu dienen. Hier ist der Winter, der im Zusammenhalt der Gemeinschaft überlebt werden kann. Struktur, Organisation, Handeln, Dienen und der Verstand sind hier Zuhause. So geht die Reise der menschlichen Entwicklung vom Ich zum Du und weiter zum Wir und dem All-Eins-Sein.
Ich möchte es gerne mit den Worten von Max Brüggeauf den Punkt bringen.
Süden: ich bin. Westen: ich zweifle. Norden: ich handle. Osten: ich bete.
Nicht nur die Lebensphasen durchwandern diese Qualitäten der Himmelsrichtungen. Jedes Projekt, jede Handlung, jede Unternehmung kann auf das Rad gelegt werden.
Das System des Rades der 4 Schilde, ist mir ein treuer Begleiter in meinem Alltag und Leben. Es stützt mein Vertrauen ins Leben und in die Entwicklung. Es erinnert mich daran, dass sich alles weiterbewegt, Themen und Fragen wiederholen, um sich auf neuem Niveau zu zeigen. Ein sich Weiterdrehen, wie in einer Spirale.
Vertiefende Literatur:
Meredith Little, Steven Foster: Die 4 Schilde, Initiation durch die Jahreszeiten der menschlichen Natur, Verlag Arun
Franz. P. Redl: Übergangsrituale, Visionsuche, Jahresfeste, Arbeit mit dem Medizinrad, Drachenverlag
Robert Bögle, Gesa Heiten: Räder des Lebens, Orientierungsmodelle für tiefe Transformation